Ein Manifest

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Was ist ein Blog? Für wen ist ein Blog, über wen soll er sein? 

Solche Fragen kommen Einem gleich zu Beginn in den Sinn, wenn es darum geht, sich selbst oder anderen die Frage zu beantworten, warum man jetzt bloggt. Oder warum man — wie in meinem Fall — wieder damit anfängt, beziehungsweise dies in abgeänderter Form tut. 

Doch vielleicht ist diese Frage gerade bei meiner Absicht von besonderer Wichtigkeit. Ich habe mich nämlich immer wieder aktiv und bewusst für diesen Blog entschieden. Das heißt nicht, dass ich nicht im Laufe der Zeit alte Beiträge gelöscht hätte, um so eine möglichst „authentischste“ Form meines bloggenden Selbst zu bewahren. 
Sondern das heißt im Gegenteil, dass ich mich im Laufe der letzten sechs Jahre zwar entwickelt und verändert habe — und bestimmt wäre es interessant für viele, meine alten Berichte über Wollmode im Sommer zu lesen — ich allerdings dieses „Ich“ aktiv und bewusst filtere. 
Dieser bewusste Aspekt mag vielleicht mehr sein als sonst bisweilen in autobiographisch(-inspiriert)en vorzufinden, doch ist er gerade Teil des Anspruch dieses Blogs: 

Der De-Neoliberalisierung von universitärem Wissen. 

In einem universitären Umfeld, in dem ich selbst erst erkennen musste, dass der ständige Druck zu produzieren um zu produzieren (=publizieren) gerade nicht neues Wissen schafft, sondern dazu führt, dass Menschen Wissen für sich „horten“, um diejenigen zu sein, die es publizieren, gibt es genau so etwas viel zu selten: den freien, (fast) unbeschränkten Zugang zu Gedanken, Funden und Kommunikation. 

Quasi eine Universität per definitionem.

Natürlich maße ich mir nicht an, mit diesem Blog „Wissen“ in die Welt zu bringen. Nein, vielmehr geht es darum einen Anstoß zu vollziehen. 

Um nämlich genau das zu tun, weshalb ich überhaupt erst in die Forschung gegangen bin: um mich an der Welt zu erfreuen, sie zu hinterfragen, sie zu kritisieren und dies nicht allein im stillen Kämmerlein und erst recht nicht im geschlossenen Seminarraum mit 5 Menschen. 

Da ich natürlich den Punkt von oben nicht einfach so stehen lassen kann: 
Meine eigene Selbstreflexion ist Teil dieses Gespräches — und auch bei offenen Gesprächen wird nicht immer alles ausgesprochen 
😉